Schaf Gnadenhof

Schafe auf dem Gnadenhof: Zeit zum Philosophieren

Unsere Schafe Heinrich und Charlotte kennen sich noch gar nicht so lange, aber manchmal sind sie wie ein altes Ehepaar. Heute haben wir die beiden belauscht, als sie in der Sonne lagen und über das Leben philosophiert haben. Wir haben einfach mal Notizen gemacht, damit Du die erste Folge von »Schafe auf dem Gnadenhof« hautnah verfolgen kannst!

Schafe auf dem Gnadenhof
Moinsen!

Heute machen unsere Schafe auf dem Gnadenhof sich Gedanken darüber, wieso Menschen sich eigentlich keine Wolle wachsen lassen …

Heinrich ließ sich mit einem zufriedenen Blöken ins Heu fallen und kaute genüsslich an einem Grashalm. Charlotte sprang leichtfüßig herbei und wackelte aufgeregt mit den Schlappohren. »Steh auf, Heinrich! Wie sieht das denn aus, wenn Du schon wieder gemütlich rumliegst?«
Heinrich seufzte tief. »Na, es sieht aus, als hätten Schafe auf dem Gnadenhof ein schönes Leben!«
Charlotte schüttelte verwirrt den Kopf, doch dann ließ sie sich zu Heinrich ins Heu fallen und kuschelte sich in seine dichte Wolle. »Ach, Heinrich, Du bist eine Wolke!«
Heinrich grinste verschämt. Wenn Charlotte so kuschelig wurde, machte ihn das immer ganz verlegen. Für eine kleine Weile lagen sie einfach nur da und Heinrich versuchte, ein stoisches Gesicht zu machen, dann murmelte Charlotte nachdenklich: »Man müsste ein Frauenhofer Substitut gründen!«

Heinrich räusperte sich, um nicht zu lachen. Charlotte lauschte immer ganz gespannt, wenn die Menschen, die auf dem Gnadenhof zu Besuch kamen und die Tiere streichelten, sich unterhielten. Dabei schnappte sie ständig Dinge auf, die sie nicht richtig verstand und baute sich dann daraus ihre eigene Version zurecht, aber Heinrich wollte nicht wirken wie ein Besserwisser. Also fragte er: »Aha, und was soll das sein?«

Charlotte blökte aufgeregt: »Na, dieses Substitut, wo die Menschen wichtige Sachen erforschen! Und das eben für Frauen! Da könnten sie mal erforschen, wieso die Menschen immer so gestresst sind!«
Heinrich sah seufzend zum Himmel. »Aha. Und wieso sollte man das ausgerechnet für Frauen machen?«
Charlotte sprang auf ihre dünnen Beinchen und schüttelte sich das Heu aus dem Fell. »Na, weil die Frauen immer alles machen! Für die müsste es auch einen Gnadenhof geben, damit sie mal rumliegen können. So wie Du!«
Heinrich blinzelte träge zu Charlotte auf. »Aber sie sind Menschen! Menschen können frei entscheiden und sich hinlegen, wann immer es ihnen passt!«

Können Menschen wirklich immer machen, was sie wollen?

Charlotte schüttelte so wild den Kopf, dass ihre langen Öhrchen schlackerten. »Das stimmt gar nicht! Bei den Menschen müssen die Weibchen die Lämmer großziehen, mit diesen schrecklichen Autos rumfahren, ja, und dann müssen sie auch immer Wäsche aufhängen! Wieso hängen die Menschen Wäsche auf? Wenn sie frei entscheiden könnten, was sie machen, dann würden sie sich doch ein Fell wachsen lassen! Ist doch viel praktischer!«
Heinrich versuchte, keine Miene zu verziehen. »Vielleicht sollten die das dann in ihrem Substitut mal erforschen. Außerdem heißt das glaub ich Institut.«
Charlotte stampfte ungeduldig mit ihrem kleinen Huf auf. »Ist doch egal, wie das heißt! Heinrich, manchmal hab ich wirklich das Gefühl, dass Du Dir von Menschen ein viel zu romantisches Bild machst.«

Heinrich drehte den Kopf zur Seite und blökte finster: »Nicht von allen.«
Charlotte nickte eifrig und machte vor Aufregung einen kleinen Hüpfer. »Ja, eben! Dich wollten sie schlachten lassen, weil sich niemand um Dich gekümmert hat! Denkst Du, wenn die Menschen immer machen könnten, was sie wollen, würden sie darauf verzichten, sich um ein Schaf zu kümmern? Jeder will sich doch um ein Schaf kümmern!«
Heinrich wich stur Charlottes leuchtendem Blick aus. Das Thema »schlachten lassen« war nicht sein Lieblingsthema.

Schafe auf dem Gnadenhof haben nicht nur schöne Erinnerungen …

Charlotte merkte, dass sie taktlos gewesen war und ließ sich mit einem versöhnlichen Blöken wieder ins Heu fallen. »Ach, Heinrich. Du bist einfach eine Wolke.«
Für einen Moment lagen sie wieder still da und lauschten zusammen auf das Meckern der Ziegen auf dem Hof. Irgendwann murmelte Charlotte: »Ich mein ja nur. Wenn es einen Gnadenhof für Schafe gibt, sollte es auch einen für Menschen geben. Die Menschen, die uns besuchen kommen, sagen immer, dass sie gar nicht mehr wegfahren wollen. Und dann müssen sie doch weg.«
Heinrich grinste. »Wahrscheinlich müssen sie noch Wäsche aufhängen.«
Charlotte gab ihm mit der Nase einen Stubser. »Du bist blöd.«

Heinrich klappte zufrieden für ein langes Blinzeln seine goldenen Augen zu. »Ich hab Dich auch lieb.«
Charlotte lächelte verschämt, dann stellte sie fest: »Wir müssten ein größeres Menschenhaus haben! Hier im Stall können sie nicht schlafen, aber wenn wir ein größeres Haus hätten, mit ganz vielen weichen Betten, dann könnten die Menschen da artgerecht leben! Und wenn sie uns kraulen wollen, müssen sie nur über den Hof spazieren!«

Schaf Gnadenhof
Wenn Charlotte sich was in den Kopf setzt, gibt sie einfach keine Ruhe! Charlotte ist eben ein sehr zielstrebiges Schaf!

Heinrich warf Charlotte einen verstehenden Blick zu. »Ach, darum geht es Dir also! Du willst gekrault werden!«
Charlotte neigte frech den Kopf. »Du nicht?«
Heinrich reckte sich stolz. »Ich bin ein weitgereister Schafbock von Welt! Ich werde selbst aktiv und kraule die Menschen! Schafe auf dem Gnadenhof können sich ja ruhig mal für die ganze Pflege bedanken!«
Charlotte nickte wild. »Ja, eben! Wenn wir weiche Betten für die Menschen hätten, könntest Du Dich bei mehr Menschen bedanken!«

Heinrich neigte nachdenklich den Kopf und kaute an seinem Grashalm. »Menschen kriegen Häuser aber gar nicht geschenkt, die müssen die kaufen. Und dafür müssen sie ganz viel Geld verdienen.«
Charlotte seufzte mitfühlend. »Siehst Du? Sag ich doch! Menschen sind auch nur Nutztiere, die immer was machen müssen!«
Heinrich nickte knapp. »Wäsche aufhängen!«
Charlotte sah ihn fragend an. »Kriegen sie dafür Geld?«
»Ich glaube nicht.«

Schafe auf dem Gnadenhof
Nicht nur die Schafe auf dem Gnadenhof schlummern gern im Heu!

Beide beobachteten, wie Ole, das Schweinchen, zufrieden grunzend vorbeirüsselte und sich einen Platz in der Sonne suchte. Langsam wurden die Tage kühler, aber Ole hatte ja eine schöne warme Speckschicht. Deswegen legte er sich gern draußen in das aufgeschüttete Heu und ließ sich die Sonne auf die Schwarte scheinen. Nicht nur die Schafe auf dem Gnadenhof liebten das duftende Heu.
Charlotte seufzte verträumt. »Könnten die Menschen nicht auch im Heu schlafen?«
Heinrich murmelte schläfrig: »Das ist nicht artgerecht. Menschen lieben Betten.«
Charlotte kuschelte sich an Heinrich und blökte leise: »Wir machen jetzt ein kleines Schläfchen und wenn wir aufwachen, haben wir bestimmt eine gute Idee.«

Zählen Schafe beim Einschlafen wohl Schäfchen?

Heinrich blinzelte träge und horchte auf Charlottes tiefe, ruhige Atemzüge. Er mochte es sehr, wenn Charlotte so entspannt neben ihm döste. Heinrich lächelte. Frauenhofer Substitut. Was hatte sie da bloß wieder aufgeschnappt! Als ob die Böcke bei den Menschen nicht auch artgerechte Haltung bräuchten. Vielleicht in einer Garage, in der alte Motorräder standen, an denen sie schrauben konnten. Da grunzten die Menschenmännchen dann so zufrieden wie Ole.
Heinrich merkte, wie ihm die Augen zufielen. Nach dem Schläfchen würde ihm sicher etwas einfallen.

Teil 2 »Schafe auf dem Gnadenhof: Heinrich und Charlotte entdecken das Kraut-Fun-Ding!« erscheint demnächst auf diesem Bildschirm!

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