Unsere Philosophie

Liebe Leser,

wir wollen an dieser Stelle niemanden erschrecken und keine reißerischen Schlagzeilen machen. Ganz im Gegenteil, wir wollen Auswege zeigen und Mut machen. Denn niemand muss das Elend der Tiere einfach hinnehmen. Aber es ist da, dieses Elend. Und es ist schwierig, es zu dokumentieren, ohne drastische Bilder zu zeigen und traurige Geschichten zu erzählen. Um einen Kompromiss zwischen Drama und Happy End zu finden, hat unser Wilhelm sich mutig bereit erklärt, hier seine Geschichte zu erzählen. Wilhelm ist eine blinde Gans und steht exemplarisch für die Geschichten und Schicksale der Tiere, die auf dem Begegnungshof home of nature ein neues Zuhause gefunden haben.

Rettung in letzter Minute – Wilhelms trauriger Weg zum Ruhm

Ja, Wilhelm stand schon in der Zeitung, wie Du hier nachlesen kannst. Aber er hätte gern auf diesen Ruhm verzichtet, denn Wilhelm und seine Leidensgenossen haben eine drastische Geschichte erlebt. Sie wurden vollkommen verwahrlost, halb verhungert und verdurstet, von der Polizei und der Tierrettung beschlagnahmt. Das folgende Video zeigt, in welchem Zustand unser Wilhelm auf dem Begegnungshof ankam. Wenn Du sehr sensibel bist, verzichte einfach darauf, dir das Video anzusehen – es reicht ja zu wissen, dass es da ist.

Wilhelm kam zu uns auf den Gnadenhof home of nature als eine fast blinde, völlig verdreckte Gans mit verwahrlostem Gefieder. Er hatte kein Wasser und kein Futter und lebte in einer dunklen und viel zu kleinen Kiste. Wilhelm war vollkommen verängstigt und orientierungslos. Durch das fehlende Tageslicht konnte sein Schnabel nie eine gesunde Farbe annehmen. Weil er sich kaum bewegen konnte und falsch ernährt wurde, hat Wilhelm Kippflügel entwickelt, die vom Körper abstehen, aber ihm keine Schmerzen bereiten.

Die Zustände, unter denen Wilhelm und viele andere Gänse, Enten und Tauben auf diesem Grundstück aufgewachsen sind, haben ihn und seine Leidensgenossen für immer geprägt. Um den verwahrlosten Tieren ein artgerechtes Leben bei verantwortungsvollen Haltern zu ermöglichen, haben die Behörden alle Hebel in Bewegung gesetzt. Die Tierrettung hat sogar einen Aufruf bei Facebook gestartet. Durch eine überwältigende Welle der Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung konnten alle Tiere vermittelt werden – und so kam Wilhelm zu uns auf den Begegnungshof und fand bei home of nature ein neues Zuhause.

Muss ein Nutztier wirklich jemandem nützen?

Als Gans ist Wilhelm ein Nutztier. Gänse werden zur Fleischgewinnung und wegen ihrer Federn gezüchtet – die dann in Kopfkissen landen, auf denen niemand, der wirklich darüber nachdenkt, noch ruhig schlafen kann. Für uns ist Wilhelm kein Nutztier, er ist ein Held. Wilhelm wird nie richtig sehen können. Das macht ihn schreckhaft, denn Gänse orientieren sich natürlich mit den Augen. Aber Wilhelm ist ein ausgesprochen kluger Ganter, der mit Optimismus sein neues Leben auf unserem Gnadenhof meistert.

Was Wilhelm nicht sehen kann, gleicht er durch das »Stimmfühlung« genannte lebhafte Geschnatter wieder aus. Üblicherweise schnattern wilde Gänse besonders gern beim Fliegen, um ihre Artgenossen nicht zu verlieren. Schließlich können sie sich ja schlecht wie Schulkinder auf einem Ausflug an der Hand halten, wenn sie ihre Flügel zum Fliegen brauchen. Wilhelm als blinde Hausgans schnattert gern, um sich zu unterhalten und um sich zu vergewissern, dass er nicht allein ist. Ganz besonders, wenn er seinen frischen Salat genießt, erzählt er gern mit zufriedenen Schnatterlauten, wie gut es ihm schmeckt und was ihn sonst noch so beschäftigt.

Schon wenige Wochen nach seiner Ankunft auf dem Begegnungshof hatte Wilhelm eine erstaunliche Verwandlung durchgemacht. Sein Gefieder ist wieder gepflegt und blütenweiß. Er futtert mit Freude und Appetit und wird immer zutraulicher. Trotzdem wird Wilhelm nie ein »Kuscheltier« sein, das auf dem Begegnungshof die Besucher begrüßt. Und genau damit ist er für uns zu einem Symboltier geworden, das für den Leitgedanken unserer Arbeit steht: Bei uns muss niemand, weder Mensch noch Tier, etwas leisten, um sich eine Daseinsberechtigung zu verdienen. Das »Nutztier« Wilhelm muss niemandem etwas nützen. Er ist einfach da und wir lieben ihn, wie er ist.

Wieso der Begegnungshof home of nature sich für Tiere und Menschen engagiert

Die Welt ist schlecht, das wissen wir alle. Und niemand kann die ganze Welt retten. Klimawandel, Kriege, Kinderarbeit, Seuchen, Ausbeutung von Mensch und Tier, Naturkatastrophen – die Liste ist endlos und oft erscheinen die Nachrichten wie ein Horrorfilm. Resignation und die Suche nach Schuldigen können aber keine Lösung sein, denn dadurch ändert sich gar nichts. Ändern können die herrschenden Zustände sich nur, wenn viele Menschen sich entschließen, den Beitrag zu leisten, den sie eben leisten können, um die Welt ein kleines Stück besser zu machen. Das kann schon ein Lächeln im Alltag sein, um einfach irgendwo anzufangen. Denn jeder Wandel beginnt mit einem kleinen Schritt und inspiriert andere, aktiv zu werden.

Und inspirierende Beispiele gibt es genug!

  • Felix Finkbeiner pflanzte als Neunjähriger den ersten Baum, um sich aktiv für das Klima einzusetzen. Heute ist er als Gründer der Kinder- und Jugendinitiative Plant-for-the-Planet auf der ganzen Welt bekannt und hat Millionen Kinder motiviert, Bäume zu pflanzen.
  • Stefanie Christmann gründete mit der »Esel-Initiative« einen gemeinnützigen Verein, um die Lebensbedingungen alleinerziehender Frauen in entlegenen Weltregionen zu verbessern – mit einem Esel als zuverlässigem Partner, um Trinkwasser zu holen oder ein kleines Gewerbe zu gründen. Inzwischen hat der Verein seine Aktivitäten ausgeweitet und ist weltweit engagiert, um Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Und das alles begann mit der Idee, dass ein Esel das Leben für Frauen in entlegenen Regionen sicher leichter machen würde …
  • Der Tierschutzverein für Berlin und Umgebung Corporation e.V. fördert durch Tierschutzunterricht die Beziehung von Kindern und Tieren. Denn Kinder sind die Tierschützer von morgen und im Umgang mit Tieren erlernen Kinder Sozialkompetenzen, die sie auch ganz praktisch auf den Umgang mit ihren Mitmenschen übertragen können. Denn wir sind alle fühlende Wesen, die mit liebevollem Respekt behandelt werden wollen.

Diese und viele andere Projekte haben angefangen mit einer Idee, mit einem kleinen Schritt. Wir werden in unserem Blog in Zukunft viele weitere inspirierende Projekte vorstellen, die immer dieselbe Geschichte erzählen: Sie erzählen von Menschen, die den Mut hatten, aktiv für eine bessere Welt einzutreten. Und auch wir haben eine Idee, eine Vision, die uns antreibt, um einen lebenswerten Ort zu schaffen, an dem Menschen und Tiere sich mit Respekt, Liebe und Mitverantwortung begegnen können.

Wie wir mit Tieren umgehen, gehen wir auch mit uns selbst um

In § 1 des Tierschutzgesetzes steht: »Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.«

Wie eine Gesellschaft mit Tieren umgeht, sagt viel über ihr Menschenbild aus. Der bekannte Gnadenhof Gut Aiderbichl vergleicht in seiner Philosophie Tierhaltung mit einem Spiegel der Gesellschaft. Und auch wir finden: Wie wir mit hilflosen und schwachen Mitgeschöpfen umgehen, hat direkten Einfluss darauf, wie wir das Miteinander in unserer Gesellschaft gestalten. Jeder von uns kann jederzeit zu einem schwachen und hilfebedürftigen Mitgeschöpf werden, das auf die Liebe und Fürsorge der Gemeinschaft angewiesen ist.

In diesem Sinne soll der Begegnungshof home of nature Mensch und Tier so verbinden, dass Natur und Leben für uns alle zu einer lebendigen Einheit werden. Wenn wir Tieren wie unserem Wilhelm und seinen vierbeinigen Mitbewohnern auf dem Hof ein artgerechtes Leben ermöglichen, retten wir sicherlich nicht die ganze Welt. Aber wir schaffen eine Oase für die Tiere und unsere Besucher, in der es erlaubt ist, von einer besseren Welt zu träumen und aktiv zu werden, um diesen Traum zu verwirklichen. Wir laden auch Dich ganz herzlich ein, unsere Tiere kennenzulernen und das Leben auf dem Begegnungshof zu entdecken! Und vielleicht schnattert Wilhelm Dir dann auch etwas vor.

Leiste einen kleinen Beitrag zu unserem Projekt, indem Du diese Seite mit Deinen Freunden teilst. Vielleicht inspiriert unsere Philosophie noch weitere Menschen, sich aktiv für den Tierschutz einzusetzen!